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Von Kinderkrippen und anderen Plätzen

Deutschland braucht mehr Krippenplätze für Kinder. Das ist mal klar. Aber nicht wegen der Selbstverwirklichung der Frau oder anderen Mythen, sondern weil die Wirtschaft sparen muss. In der Zeitung stand letztens wieder, dass Frauen deutlich weniger verdienen als Männer. Ich meine natürlich für die gleiche Arbeit. Deshalb ist es wichtig für Deutschland, dass möglichst viele Frauen nach dem Kinderkriegen schnell wieder arbeiten gehen. Zur Not auch in Teilzeit. So helfen die Frauen die deutsche Wirtschaft zu retten.

Ich verstehe also, warum die Politik in Elterngeld und Krippenplätze investiert. Was ich aber nicht verstehe ist, wie das alles weitergehen soll. Stellen wir uns mal so ein Kind vor das geboren wird, weil es ja eine Krippenplatzgarantie hat. Wegen der Wirtschaft eben. Wenn es dann soweit ist und das Krippenplatzkind in die Schule kommt, dann kann die Frau noch gar nicht ausreichend Kinder geboren haben. Denn die Frau musste ja zwischenzeitlich arbeiten gehen, um der deutschen Wirtschaft beim Sparen zu helfen. Ich glaube nicht, dass ein Kind reicht, damit es sich rechnet. Aber was dann? Die Nummer mit dem Kinderkrippenplatz ist dann ja ausgereizt und damit kein Anreiz für weitere Kinder mehr da.

Dummerweise wurde die Schulplatzgarantie ja schon durch die Schulpflicht erfunden. Das zieht nicht mehr und animiert auch die letzten Hinterwäldler nicht mehr zum Kinderkriegen. Hier wäre es also an der Wirtschaft regulierend in die Politik einzugreifen. Sinnvoll wäre es, einen Marketing-Manager hinzuzuziehen. Die verstehen was von einem Relaunch. Ein solcher kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Konsument kein Interesse mehr an einem Produkt hat. Die Wirtschaft hat dann die Wahl: Innovation oder Relaunch. In letzterem Fall wird die Verpackung mit einem peppigen Schriftzug versehen und auch sonst erneuert. Dem Inhalt wird soweit möglich eine neue Farbe verpasst.

Also ich stell mir das so vor, dass man alle Schulen neu anstreicht und in Premium-Schulen umbenennt. Dann schafft man einen neuen Gebär-Anreiz indem man allen Kindern einen Platz in der Premium-Schule garantiert und so nebenbei auch das Eliten-Problem löst. Das nennt der Marketing-Manager dann eine Win/Win-Situation. Dadurch dass das Kinderkrippenkind nun also die Premium-Schule besucht, hat die Politik wieder mindestens 10 Jahre gewonnen – Minimum. Denn vielleicht macht das Kind ja sogar Abitur. Genug Zeit für die Frau also, um mindestens einem weiteren Kind das Leben zu schenken und nebenbei noch in ausreichendem Maße für die Einsparungen zu arbeiten.

Damit hätte die Politik auch wieder etwas Luft sich gemeinsam mit der Wirtschaft einen Gebär-Anreiz für das Thema Ausbildungsplätze zu überlegen. Das wird schwierig. Man kann ja schließlich nicht Ausbildungsplätze für alle versprechen. Das glaubt ja nun wirklich keiner mehr. Außerdem ist da die Wirtschaft dagegen. Das muss man auch verstehen. Wenn die so viele Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen müssten, dann wäre ja der ganze Einsparungseffekt durch die Frauenarbeit dahin. Da haben wir also ein Problem, wenn nicht sogar ein Dilemma. Aber bis dahin sind’s ja noch 13 Jahre – Minimum. Für die Politik ist das mehr als drei Leben. Und die Politik ist schließlich keine Katze.

Schön ist das alles nicht.

Eure Doris

8.4.07 16:02, kommentieren

Von Aufklärern und anderen Fliegern

Deutschland hat Straßen und Verkehrsschilder nach Afghanistan gebracht. Das ist sehr nett von Deutschland. Schließlich ist bei unseren Straßen auch nicht alles in Ordnung. Sagt zumindest der ADAC, und der muss es ja wissen. Verkehrsschilder haben wir in Deutschland viel zu viele – Minimum. So viele, dass es schon fast eine Gefahr darstellt. Eine Verwirrungsgefahr. Sagt auch der ADAC. Da kann man problemlos ein paar davon nach Afghanistan abgeben. Und macht Deutschland gleichzeitig ein wenig sicherer. Die Politiker sagen ja immer, dass wir Deutschlands Sicherheit am Hindukusch verteidigen und so. Das habe ich ja verstanden. Was ich aber nicht verstanden habe ist, warum Deutschland ganz neue Verkehrsschilder nach Afghanistan bringt. Quasi druckfrisch. Es ist ja nicht so, dass ich die den Afghanen nicht gönnen würde. Die neuen Verkehrsschilder. Aber praktisch gedacht ist das nicht.

Jetzt liefert Deutschland zusätzlich noch Aufklärungsflugzeuge nach Afghanistan. Aber nicht an die Afghanen, sondern an die Amerikaner. Oder war das die Nato? Ich finde das irgendwie verwirrend. Vielleicht war es ja auch die Isaf. Aber eigentlich ist das auch egal. Die großen Konzerne machen das ja schließlich genau so. Dann steht da Rama drauf oder Dove oder Knorr. Aber wenn man genau hinschaut, dann ist das alles eine Firma. Jedenfalls liefert jetzt Deutschland sechs Aufklärer nach Afghanistan.

Das ist aber nicht so einfach wie mit den Straßen und Verkehrsschildern. Nix mit auf den LKW und weg. Damit nämlich auch ganz sicher sechs Aufklärer ankommen, hat Deutschland vorsichtshalber gleich zehn davon auf den Weg geschickt. Das ist natürlich sehr umsichtig. Wenn nämlich weniger als sechs ankommen, das wäre ein bisschen peinlich. Für Deutschland. Ganz unter uns: Deutschland rechnet da mit einer Ausfallquote von 40%. Das finde ich auch ein bisschen peinlich.

Jetzt sind die Aufklärer also da unten und machen Fotos von Straßen, Verkehrsschildern und Taliban. Das ist ganz ungefährlich und friedlich. Sagt der Bundestag. Und der ist ja schließlich immer bestens informiert. Die deutschen Aufklärer schießen ja nur Fotos und keine Taliban. Das verstehe ich ja. Aber eins verstehe ich dann doch nicht: Warum macht Deutschland da mit? Wenn jetzt so ein friedlicher Aufklärer ein Foto macht. Sagen wir mal von einem Taliban. Dann kommt ja als nächstes ein weniger friedlicher Flieger von der Isaf, der Nato oder sonst wer aus dem Verein. Der schießt dann auf den Taliban. Nicht mit Fotos sondern mit echter Munition. Manchmal auch mit Granaten und Bomben.

Wenn jetzt dieser Taliban auf einer Straße steht oder vielleicht sogar in der Nähe eines Verkehrsschildes. Dann kriegt die Straße oder das Verkehrsschild ganz sicher auch was ab. Aus der großen Höhe und bei der Geschwindigkeit – da kann man ja nicht immer so ganz genau treffen. Das nennt man dann Kollateralschaden. Da redet man aber nicht gerne drüber. Dass Deutschland da mitmacht verstehe ich wirklich nicht. Ich meine, die haben die ganzen Straßen und Verkehrsschilder ja gerade erst dahin geschafft. Das ist ja alles ganz neu. Und das wird auch noch gebraucht. Die Straßen zumindest.

Schön ist das alles nicht.

Eure Doris

12.4.07 18:01, kommentieren

Von Mixa und anderen Rückständen

Deutschland entwürdigt die Frauen. Aber nicht, weil Frauen immer noch viel weniger für die gleiche Arbeit verdienen. Und auch nicht, weil sie viel seltener Chefs werden. Bei gleicher Qualifikation. Und schon gar nicht wegen Dieter Bohlen oder Besenkammern. Nein! Deutschland entwürdigt die Frauen, weil es demnächst wahrscheinlich mehr Krippenplätze für die Kinder gibt als vorher. Das sagt der Bischof Mixa. Und der muss es ja wissen. Schließlich ist er Bischof und hat als solcher den universellen Durchblick. Außerdem ist er ja Bayer. Deshalb versteht er auch mehr von den Frauen als z.B. der Meißner.

Jedenfalls findet der Mixa, dass mehr Krippenplätze die Frauen entwürdigen, weil sie so zu Gebärmaschinen gemacht werden. Das habe ich zuerst nicht verstanden. Aber dann hat der Mixa das noch ein paar Mal erklärt. Das mit der weiblichen Entwürdigung. Also, man muss sich vorstellen: so eine Frau gebiert ein Kind. Das Kind geht in die Krippe und die Frau arbeiten. Dann hat die Frau das Kind ja nur ausgetragen. Kümmert sich aber nicht weiter um das Kind. Wahrscheinlich liebt sie es noch nicht einmal. Deshalb ist sie dann wie einer dieser Brutkästen aus der Geflügelindustrie und ist eben kein Mensch mehr und das ist entwürdigend. Findet der Mixa. Das habe ich verstanden.

Was ich aber nicht verstanden habe, ist, warum der Mixa sich nur um die Würde der Frau sorgt. Die Männer betrifft das doch alles auch. Eigentlich betrifft es sie viel härter. Schließlich gebiert der Mann nicht einmal. Kein Brüten, kein Garnix. Lediglich das Erbmaterial darf er beisteuern. Das beteiligt ihn laut einer Statistik mit durchschnittlich 3 Minuten an einem Prozess, der ein Leben lang dauern könnte. Das reduziert ihn auf das Niveau eines Besamungsautomaten, wie man das aus der Pferdezucht kennt. Das finde ich auch entwürdigend – Minimum. Aber das interessiert seit Jahrhunderten wirklich niemand. Auch nicht den Mixa.

Der Kardinal Meißner sieht das alles ganz anders. Mehr von der positiven Seite. Der sagt nämlich: Kinder sind ein Geschenk. Und Ausdruck der Lebensfreude. Deshalb will er, dass insbesondere die Mütter länger bei den Kindern bleiben. Damit sie die Lebensfreude spüren und weil es eben ein Geschenk ist. Das finde ich sehr nett von dem Meißner. Dass er sich so um die Frauen kümmert. Aber ich finde es doch ein bisschen traurig, dass der Meißner den Männern so gar keine Lebensfreude zugestehen will. Ich kann ja verstehen, dass er und der Mixa sich mehr um die Frauen sorgen als um die Männer. Für katholische Bischöfe müssen Frauen ja was besonderes sein. Schließlich arbeiten in ihrer Kirche ja gar keine Frauen. Und wenn doch mal, dann sind die verschleiert, und mit der Lebensfreude des Gebärens haben die auch nichts am Hut.

Vielleicht glauben sie ja, dass die Männersorge die Kollegen von der evangelischen Kirche für sie übernehmen können. So quasi als interkulturelles Austauschprogramm. Jeder trage des Anderen Last und so. Da hat er bestimmt an seine evangelische Kollegin, die Bischöfin Käßmann gedacht. Die kann aber im Moment nicht, denn die ist von den Überlegungen des Mixa ganz sprachlos geworden. Hat sie zumindest gesagt. Außerdem hat sie noch gesagt, dass der Mixa die Erzieherinnen beleidigt. Die würden nämlich ganz Hervorragendes leisten. Ich finde, sie sagt recht viel – dafür dass sie sprachlos ist. Und sie kümmert sich auch wieder nur um die Frauen. Zumindest die Frauen, die Erzieherinnen sind.

Fair ist das alles nicht.

Eure Doris

18.4.07 18:19, kommentieren

Von Walther P und anderen Lebensrettern

Zugangsbeschränkung zu Waffen jeder Art gefährdet Leben. Das sagt zumindest die Vereinigung Virginia Citizen’s Defense League (VCDL) zum Amoklauf an der Virgina Tech University. Und die müssen‘s ja wissen, die verstehen was von Schießerei. Aber verstanden habe ich das dann doch nicht so richtig. Aber der Präsident von denen hat das dann erklärt. Wenn nämlich alle Studenten dort Waffen in der Tasche gehabt hätten, dann hätte bestimmt einer von denen dem Amokläufer in den Kopf geschossen. Dann wäre das alles gar nicht passiert. Oder zumindest nicht ganz so schlimm. Das habe ich dann verstanden: so eine Walter P22 kann Leben retten. Man braucht nur eine.

Ein anderer Präsident, nämlich der von dem Gesamtladen, hat sich auch dazu geäußert. Genau genommen hat er sich äußern lassen. Die Pressesprecherin von George Bush hat verkündet, dass der Präsident glaubt, dass Menschen ein Recht haben Waffen zu tragen, aber dass alle Gesetzte befolgt werden müssen. Ich finde da hat er recht. Bloß hätte mal besser irgend jemand das dem Amokläufer gesagt. Ich meine ganz deutlich. Vielleicht hat der das ja nicht gewusst? Zur Sicherheit sollten alle Schusswaffen mit einem Aufdruck versehen werden: Schießen kann tödlich sein! Bitte nur im Rahmen der gesetzlichen Grenzen verwenden. Genau wie bei den Zigaretten. Da klappt das ja schon ganz gut.

Ein gewisser Mr. McCain hat auch nichts gegen Schusswaffen in Privatbesitz. Das ist natürlich nicht der von den Pommes, sondern ein republikanischer Präsidentschafts-kandidaturkandidat. Das heißt, er will mal Präsidentschaftskandidat werden und deshalb muss er für Waffen sein. Aber er hat sich das wirklich ganz genau überlegt. Er will nämlich dass sichergestellt ist, dass dieser Art Waffen nicht in die Hände von bösen Menschen geraten. Das finde ich eine wirklich gute Idee. Ich habe mir überlegt man könnte ja beim Schusswaffenkauf einen Fragebogen einführen. So wie bei der Einreise in die USA. Ich stelle mir Fragen vor wie "Sind sie böse?" oder "Planen Sie einen Amoklauf?". Dann herrscht endlich Klarheit. Da kann ja nun wirklich keiner was dafür, dass böse Menschen nicht nur töten, sonder manchmal auch lügen.

Vernünftige Menschen können sowieso nichts gegen den Besitz von Schusswaffen haben. Die National Rifle Association (NRA) hat letztens erst eine Statistik veröffentlicht. Damit ist bewiesen, dass es jährlich ca. 2 Mio. Fälle gibt in denen Schusswaffen zur Selbstverteidigung eingesetzt wurden. Das sind immerhin fünfmal mehr als die Schusswaffen, mit denen etwas verbrochen wurde. Jetzt habe auch ich verstanden: Schusswaffen sind etwas Gutes. Weil sie Verbrechen verhindern. Aber dann habe ich mich doch gefragt, wogegen sich eigentlich die restlichen 1,6 Mio. selbstverteidigt haben. Weil ja eben nur ein Fünftel mit Schusswaffen bedroht worden sein kann. (Alles klar?) Vielleicht hat sich der Rest ja gegen Autodiebe oder Ehebrecher verteidigt. Oder gegen Frauen mit Bratpfannen. Da kann man ja nun wirklich nichts gegen sagen.

Wenn alle Menschen Schusswaffen in der Tasche hätten, dann würde auch gespart dabei. Die Familie des Amokläufers wird jetzt nämlich vom FBI in Schutzhaft gehalten. Wahrscheinlich wegen der anderen bösen Menschen, die irrtümlich eine Schusswaffe bekommen haben. Das kostet bestimmt nicht gerade wenig. Die ganzen Steuergelder könnte man einsparen, wenn die Familie Sueng-Hui eigene Schusswaffen in den Taschen hätten. Aber es kommt den Staat deutlich billiger als gleich ganz Süd-Korea anzugreifen und zu befrieden.

Außerdem wäre das ein bisschen dumm obendrein. Weil Nordkorea das bestimmt mitbekommen würde. Die wollen da doch so gerne Atomwaffen haben. Dürfen sie aber nicht. Weil die sich ja nicht verteidigen müssen. Gegen niemand. Aber vielleicht dürfen die auch nur nicht, weil sie böse sind. Genau wie der Iran. Die dürfen auch nicht. Wegen der Achse des Bösen. Da muss man die Amerikaner verstehen. So eine Atombombe, die kann man ja nicht in der Tasche herumtragen. Ich meine, für den Fall dass mal eine Amok läuft.

Schön ist das alles nicht.

Eure Doris

PS: Fighting for peace is like fucking for chastity.

1 Kommentar 26.4.07 21:01, kommentieren

Anmerkung

Dieser Beitrag ist nicht lustig. So ist er auch nicht gemeint. Dieser Beitrag ist zornig. Und genau so ist er auch gemeint.

Dass ein Mensch sich einfach so eine Waffe besorgen kann, das macht mich bestürzt.
Dass dieser Mensch einfach so andere Menschen für sein eigenes Elend verantwortlich macht und zusammen schießt, das macht mich unendlich traurig.
Dass es Menschen gibt, die dann immer noch glauben, Gewalt wäre die Lösung aller Problem, das macht mich zornig.

Im Sinne dieser Emotionen ist dieser Beitrag subjektiv, polemisch und überzogen. Und so will er auch verstanden sein.

Beim nächsten Beitrag wird's wieder lustig. Versprochen! Außer vielleicht Bush befriedet zwischenzeitlich noch irgend ein Land.

Doris

26.4.07 21:06, kommentieren



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